1 Ausbildungsplatz mit 30.000 Euro gefördert?
Ein Ausbildungsplatz sei mit den Fördergeldern aus dem Programm "Lokale Ökonomie" gefördert worden, beantwortete Bürgermeister Martin Wagner unter anderem auf ein Anfrage von SPD und FWG in der Stadtverordnetenversammlung am 4. Juli 2013.
Ein Ausbildungsplatz, das wäre nicht weiter beachtet worden, hätte nicht einer der geförderten Betriebe das als seine alleinige Aufgabe.
"Gegenstand des Unternehmens ist die Förderung der Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe. Der Zweck wird verwirklicht, indem jungen interessierten Menschen ohne Ausbildungsplatz im strukturschwachen Nordhessen Ausbildungen im zukunftssicheren Medienbereich angeboten werden, insbesondere auf den Gebieten Print- und Onlinemedien." Quelle: Bundesanzeiger
Dieses Unternehmen will Ausbildungen anbieten, also mehrere, nicht nur einen Ausbildungplatz schaffen. Als Ausbildungsberufe werden genannt:
Mediengestalter/-in Digital und Print
Medientechnologe, (Drucker)
Kaufmann/Kauffrau für Marketingkommunikation
Dieses Unternehmen firmiert als gemeinnützig, weil es Ausbildung anbietet, so die Begründung für die Gemeinnützigkeit, die Steuervorteile mit sich bringt.
Das Besondere daran ist, dass die Ausbildung unter Praxisbedingungen in einem am Markt tätigen Betrieb mit gewachsener Kundenstruktur stattfindet. Quelle
Was ist daran besonders? In jedem Handwerksbetreib wird unter Praxisbedingungen gearbeitet.
Sie wird dabei bei Bedarf flankiert mit zusätzlicher sozialer und pädagogischer Betreuung, damit auch benachteiligte Jugendliche und solche mit Migrationshintergrund das Ausbildungziel erreichen können.
Weitergehende Unterstützung gibt es nur bei Bedarf. Wie sieht diese Unterstützung aus, wer leistet und zahlt sie? Das klingt nur nach schönen Worten, um in einem Förderprogramm zu beeindrucken. Von benachteiligten Jugendlichen steht in der Geschäftsbeschreibung nichts.
"Azubis gesucht"
Am 20. März 2013 bot das Unternehmen eine Ausbildung zum Mediengestalter in dem online-portal Jobbörse an. Beginn der Ausbildung soll am 1. August sein.
Wieso wird nur ein Ausbildungsberuf angeboten, wo es Ausbildungsmöglichkeiten in drei Berufen geben solle?
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Auf der Homepage des Unternehmens wird der Eindruck erweckt, als werden noch immer Auszubildende gesucht.
Wen hat das Unternehmen seit seiner Gründung am am 27. Januar 2012 ausgebildet?
"haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft"
Das Unternehmen wurde am 27. 03. 2012 im Amtsgericht Fritzlar unter dem Aktenzeichen HRB 11880 registriert. Das Unternehmen hatte bereits im März 2012 aus der bewilligten Förderung von 31.500 Euro 12.976 Euro ausbezahlt bekommen, wie aus der vom Bürgermeister zur Anfrage am 29. 03.2012 vorgelegten Aufstellung hervorgeht.
Im Juli 2013 sind schon 46.500 Euro bewilligt und 27.800 Euro ausgezahlt. So berichtete es Bürgermeister Martin Wagner in der Stadtverordnetenversammlung in Hülsa. Als Begründung für die Förderung heißt es in der Aufstellung von 2012: "Realisierung eines besonderen Ausbildungskonzeptes, Neugründung gGmbH"
Die ersten Fördermittel wurden demnach als GmbH beantragt, obwohl das Unternehmen seit Januar 2012 als haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft eingetragen ist. Die Gesellschaftsform ist für die Haftung bedeutsam. Eine GmbH haftet mindestens mit 25.000 Euro, das ist das Mindest-Stammkapital, die Unternehmergesellschaft (UG) nur mit 1.000 Euro. Das Unternehmen scheint mit den beiden Gesellschaftsformen zu spielen. In der Stellenausschreibung nennt sich die Firma "Medienhaus Homberg (Efze) Ausbildungsverbund gGmbH UG (haftungsbeschränkt i.G." Am 20. März 2013 nennt sie sich auch noch als in Gründung befindlich.
Dem Unternehmen sind bisher 27.800 Euro ausgezahlt worden, obwohl es nur bis 1.000 Euro haftet. Wer zahlt die Fördermittel zurück, wenn das Unternehmen vorzeitig vor Ablauf der Bindungsfrist von 5 Jahren für die Fördermittel, den Betrieb einstellt? Zwei geförderte Betriebe haben bereits wieder geschlossen.
Medienhaus Homberg
Das Medienhaus Homberg sei eine Neugründung, erklärte der Bürgermeister 2012.
Seit Beginn des Jahres 2012 firmieren Olten KG und Olten Marketing GmbH nun als Medienhaus Homberg (Efze). Quelle
Die Neugründung begründet der Firmeninhaber Heiner Olten mit: "Im Interesse eines Fortbestands in Homberg entschloss er sich zu einer Neugründung." Hinter dieser nichtssagenden Formulierung versteckt sich die Tatsache, dass die Olten Marketing Werbeagentur GmbH Ende 2011 ein finanzielles Problem hatte, wie im öffentlichen Unternehmensregister nachgelesen werden kann.
Der Inhaber Heiner Olten ist gleichzeitig Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, der das Programm "Lokale Ökonomie" organisatorisch in Homberg bearbeitet. Die Medien des Stadtmarketingvereins werden im Medienhaus Homberg gestaltet und gedruckt.
Über diese Zusammenhänge findet sich nichts in der Antwort des Bürgermeisters und auch nichts in der Veröffentlichung der HNA.
Bildschirmfoto von Medienhaus Olten gUG



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