8. Mai vor 81 Jahren
Am 8. Mai 1945, vor 81. Jahren endete der
2. Weltkrieg in Deutschland.
Aus diesem Anlass wurde in einem Text an die Schrecken des Krieges erinnert:
„…wie es war, als der Himmel über Kassel glutrot war, weil die Stadt zerbombt wurde;
wie es war, als der Brief mit der Todesnachricht des an der Front gefallenen Vaters zu Hause ankam;
wie es war, als auf der Flucht bei Eiseskälte vor der Roten Armee die Toten links und rechts in den Gräben lagen, entkräftet, verhungert, erfroren.“
Von dieser Beschreibung aus ging es im Text der HNA weiter zur Friedenserhaltung und die dafür notwendige Bewaffnung und zur „neuen Wehrpflicht“, die notwendig sei.
Quelle: HNA, 08.05. 2026, Standpunkt – Frieden ist nicht selbstverständlich
Foto: Esther Bejarano, die als Jüdin das Vernichtungslager Auschwitz überlebte, wo sie mit im Mädchenorchester war. Esther Bejarano starb 2021 im Alter von 98 Jahren.
Foto vom Konzert der Gedenkstätte Trutzhain 2018.
In dieser Darstellung wird der Blick allein auf deutsche Opfer gelenkt, der geschichtliche Zusammenhang ausgeblendet, so entsteht Falschinformation, Desinformation über die Geschichte, die dazu benutzt wird, aktuelle Politik zu rechtfertigen.
Es war die hochgerüstete deutsche Wehrmacht, die erst den Überfall auf Polen inszenierte und ihn dann als Auftakt für ihre Eroberung des neuen „Lebensraum im Osten“ nahm.
Es brauchte nur 6 Jahre, um die Ideologie vom unwerten Leben und zur Vorherrschaft der germanischen Herrenrasse zu festigen, die ihre Aufgabe darin sah, jüdische und bolschewistische Untermenschen in ganz Europa zu vernichten.
In Eiseskälte starb zuerst die Bevölkerung von Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg, die von der deutschen Wehrmacht über ein Jahr eingekesselt war, damit sie verhungerten.
Mit deutschen Waffen wurden Menschen in Griechenland und Spanien getötet, in Frankreich und den Niederlanden, in allen Ländern Europas.
Von diesem deutschen Krieg waren am stärksten vor allem Menschen in Russland betroffen, damals Sowjetunion. Auch dort erhielten die Familien die Todesnachricht des gefallenen Vaters, auch dort zerbombte Häuser, auch dort lagen die Toten in den Gräben "entkräftet, verhungert, erfroren".
Die Schätzungen gehen für den 2. Weltkrieg allein für dieses Land von 24 Millionen Toten aus, Soldaten und Zivilisten.
Das hinterlässt in Familien Erinnerungen über Generationen: Von den napoleonischen Feldzug 1812 und den deutschen Überfällen ab1914 und 1939.
Es waren junge Männer aus russischen Familien, die als Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz befreiten. Die westlichen Alliierten machten vom Flugzeug aus nur Luftaufnahmen, zerstörten aber nicht die Gleise, über die die Menschen aus ganz Europa zur Vernichtung transportiert wurden.
Der Text mit dieser Geschichtsdarstellung stammt nicht von einer rechten Naziorganisation, auch nicht von der AfD, der Text wurde in einer Lokalzeitung veröffentlicht, die sich rühmt, mit ihrem Qualitätsjournalismus dazu beizutragen, dass keine Falschinformationen verbreitet werden. Sie verbreitet ihrer selbst geschaffenen Falschinformation.
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Diesen Text kann ich nicht so hinnehmen. Meine Mutter erhielt die Todesnachricht meines Vaters im Januar 1945. Er war Wehrmachtssoldat in Ungarn und ist irgendwo auf einem Feld im Schnee tot liegen geblieben. Einer der vielen Opfer auf beiden Seiten des Krieges.
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Wissen die Redakteure der Zeitung, die den Krieg nicht erlebt haben, wovon sie schreiben?
Mit ihrem Narrativ ziehen sie keine Lehre aus der Geschichte. Mehr Waffen und Soldaten bringen keinen Frieden, sondern Konfrontation und Krieg. Es braucht aber Kontakt und Kooperation.
Zum 81. Jahrestags des Ende des 2. Weltkrieges kann es nur heißen, was Esther Bejarano, eine Überlebende von Auschwitz, immer wieder gesagt hat: Nie wieder Krieg. So auch 2018, als sie ihre Lesung und das Konzert in Trutzhain damit beendete. Sie weiß, wovon sie spricht, sie hat es erlitten.


