Schöner Schein und raue Realität
Eine Unternehmensadresse im noblen Villenviertel in Berlin-Grunewald verspricht Seriosität. Die Ökologische Projekte AG (OEPAG) hat ihren Firmensitz in der Königsallee 20a. Dr. Juan Carlos Lorenzo Fajardo kam am 3. Dezember 2013 nach Homberg und stellte das Unternehmen im Haupt- und Finanzausschuss vor. Dipl.-Ing. Jürgen Pannach von der etg-projekt aus Berlin-Marienfelde war ebenfalls mit angereist. Zusammen stellten sie das Projekt Algenzucht vor, das sie in der Schießanlage der Ostpreußenkaserne errichten wollen.
Das Unternehmen ÖPAG
"Wir, die ÖPAG, erbauen Großanlagen zur Produktion hochreiner Mikroalgen und weiterer Aquakulturen.
Diese Anlagen können z.B. mit Biogasanlagen zur Beheizung oder mit Photovoltaik und BHKW für die Stromproduktion kombiniert werden.
Derartige Großanlagen amortisieren sich in der Regel in vier bis fünf Jahren und bieten somit eine hervorragende Chance für ein erfolgreiches Investment.
Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, in Form von partiarischen Darlehen, daran zu partizipieren."
Im Imagefilm der ÖPAG verweist das Unternehmen auf Europas größte Indoor-Microalgen-Produktionsanlage.
Im Pressespiegel ist der Fortgang des Vorzeigeprojekes zu verfolgen. Die Berichte brechen im Herbst 2012 ab.
Soweit der schöne Schein für leichtgläubige Kommunalpolitiker und Kapitalanleger.
Die nüchterne Realität
Auf der Briefkastenanlage der alten Großvilla in der Köningsallee 20a sucht man die ÖPAG vergeblich.
Lediglich an einem Briefkasten ist noch schwach lesbar der Name Ecological Energie Group (EEG) zu erkennen. Die EEG hat Ihren Sitz laut Unternehmensregister niemals in Berlin gehabt, sondern existierte bis zur Insolvenz am 21. 11. 2013 in Potsdam, Karl-Liebknecht-Straße 126.
Unter dieser Adresse befindet sich auch:
Schumann & Schumann GmbH
Ökologische Projekte AG, ÖPAG
Zukunft Jetzt GmbH,
ecologic-energy-group, Insolvenz
Alkenkurier GmbH i.G.
Außerdem gehören dazu die Entwicklungs- und Technologie- Gesellschaft von Jürgen Pannach. Die Adresse in Berlin-Marienfelde, An der Heilandsweide 2 ist ebenfalls falsch.
Die Telefonanschlüsse aller Firmen laufen auf dem Telefonapparat auf dem Schreibtisch von Michael Schumann in der Karl-Liebknecht-Straße 126 zusammen. Sein Bruder Andreas Schumann versucht unterdessen in Hoyerswerda die Algenzucht anzubieten.
Ein funktionsfähiges Labor zur Algenforschung gibt es in dem Firmennetzwerk nicht. Laborbilder von Algenkulturen sind heimlich im Potsdamer Max-Planck-Institut aufgenommen worden.
Bereits im Januar 2013 teilte der Firmenchef Michael Schumann den Mitarbeitern mit, dass er zahlungsunfähig sei.
Im September 2013 war der OPAG Name auf dem Bauschild in Bassum entfernt.
Im Dezember 2013 begeisterte die ÖPAG die Magistratsmehrheit in Homberg von den Zukunftserfolgen der Algenzucht.
Im Januar 2014 formulierte Bürgermeister Martin Wagner in einer Stellungnahme zu der Bauleitplanung die Ostpreußenkaserne:
"Die Bezeichnung der vom Magistrat ins Gespräch gebrachten Projekte Altreifen-Pyrolyse und Algenzucht als "Phantomprojekte" wird als polemisch zurückgewiesen, beide Projekte werden weiterhin ernsthaft verfolgt." [Unterstreichung dms]
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:: DOKUMENTATION ::
1. Über das 13 Mio. Projekt (Jochen Gontermann) der Algenzucht findet sich im Protokoll des Haupt- und Finanzausschuss vom 3.12.2013 die folgenden Angaben.
Als nächstes stellt sich eine Firma vor, die eine Mikroalgenzuchtanlage
betreiben möchte. Hier gibt zunächst Herr Pannach einleitende
Erläuterungen, die dann von Herrn Dr. Lorenzo ergänzt werden. Es
soll eine ultrareine Mikroalgenzucht in vollklimatisierten Gewächshäusern
erfolgen. Hierfür würde sich der Bereich des ehemaligen
Schießstandes in der ehemaligen Ostpreußenkaserne von 1,6 ha
anbieten.Er trägt weiter vor, dass die Firma bereits Investoren gefunden hat,
die bereit sind, dieses Projekt zu finanzieren.Im Anschluss werden hierzu Fragen durch die Herren Siebert, Knorr,
Habbishaw und Eisenberg gestellt.Seitens der Firma wird noch ausgeführt, dass die Gewächshäuser für
einen Produktionsbeginn bereit im März 2014 stehen müssten. Daher
sollte seitens der städtischen Gremien eine kurzfristige Entscheidung
erfolgen.Die Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses, Frau Wilhelm,
bedankt sich bei Herrn Pannach und Herrn Dr. Lorenzo für ihre Vorstellung.
Im Protokoll sind keine Firmennamen vermerkt. Es gibt keine Aussagen über die Verwendung der Algen, geschweige denn eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Bei einer Investitionssumme von 13 Mio. Euro und einer Rendite von 12 % (Jochen Gontermann) müssten jedes Jahr 1,5 Mio. Euro Reingewinn erwirtschaftet werden. Allein die Herstellung eines Liters Öl aus Algen kostet zur Zeit 250,00 Euro.
2. Auszug aus der Gontermann Studie zur Entwicklung des Technologieparks mit Algenzucht (Stand 13.6.2012): (Die Studie ist auf der Homepage der Stadt nicht mehr zu finden.)
Die "ecologic energy group" ist wegen Insolvenz aufgelöst und ETG Projektentwicklung firmiert unter falscher Adresse und ist Teil der Firmennetzwerkes Schumann & Schumann.

Still und leise wurde der Autohof Homberg im gemeinsamen Gewerbegebiet von Homberg, Knüllwald und Schwarzenborn eröffnet.
Bauleitplanung muss erneut offen gelegt werden. Fördermittel gibt es nur, wenn bis Jahresende Baumaßnahmen abgeschlossen sind. Dazu fehlt jetzt endgütlig die Zeit und auch das Geld für den Eigenanteil, der bisher nur schön gerechnet wurde.




In Homberg ist mehr Gewerbegebiet für 11 Jahre ausgewiesen als notwendig wird. In den letzten 12 Jahren ist davon nur ein Zehntel wirklich gebraucht worden.
Der Jurist, Freidenker und Humanist Fritz Bauer, heute zu Unrecht vergessen, machte sich nach dem Krieg für den Aufbau der Demokratie stark und betrieb radikal die Aufklärung von NS-Verbrechen.
Nicht nur Hessentagsstadt, auch Reformationsstadt und als neuest Schöpfung: Homberg Marketingstadt.