500.000 Euro für 250 Meter Straße?
Der Homberger Anzeiger berichtet in seiner online-Ausgabe vom 25.3.2011 die englische Firma Palletways will in Homberg einen Umschlagplatz im ehemaligen Viessmann-Werk einrichten. Die Zufahrt soll nicht über die Straßen des Gewerbegebietes entlang der Eisenbahntrasse erfolgen, sondern über die ehemalige Ostpreußenkaserne. Zwischen dem Ende der alten Panzerstraße an dem Kasernentor bis zur Zufahrt zu dem Werksgelände sind 100 Meter neue Straße zu bauen mit einem Gefälle von 6,9 %.
Die Kosten für das kurze Straßenstück werden mit 500.000 Euro angegeben. Wer für die Kosten aufkommen wird, wird nicht gesagt. Naheliegend ist, dass die Straße mit Steuergeldern bezahlt wird , ob von der Stadt Homberg oder durch Zuschüsse vom Land, ändert nichts.
Ist die Straße notwendig?
Angesichts der leeren Kassen im Land muss die Frage nach Alternativen gestellt werden. Zufahrtstraßen sind vorhanden. Die Zufahrt muss nicht durch das Wohngebiet geführt werden, sie ist über das Industriegebiet gut möglich. In der Vergangenheit hatte hier auch die Firma Scherm gearbeitet, diese wurde mit Lkws angefahren. Es ist nicht ersichtlich, warum eine solche teure Lösung notwendig ist. Der vorgebliche Grund der Lärmbelastung kann es nicht sein.
Vorhandener Gleisanschluss vorrottet
Das Gelände hat Gleisanschluss, der bis in die Hallen führt und wurde noch vor ca. 10 Jahren benutzt. Seitdem liegt die Strecke unbenutzt und wächst zu. Ein Unterhalt der Strecke hätte wahrscheinlich nicht so viel gekostet. Für Anschlussgleise wie diese werden geringere Anforderung gestellt als an das Hauptstreckennetz. Auf der einen Seite lässt man die vorhandene Infrastruktur verrotten, auf der anderen Seite soll für 250 m Strecke 500.000 Euro aufgewandt werden, ohne dass dafür eine langfristige Nutzung vertraglich gesichert ist, wie das bei den Gleisen verlangt wird.
30 neue Arbeitsplätze?
Die Aussage des Beratungsbüros lautet: „In der Startphase benötigen wir etwa 30 neue Mitarbeiter für Kundendienst, Warenumschlag und Disposition sowie im IT-Bereich “, stellte […] Burkhard Bräkling, […] in Aussicht.
Also sind die Arbeitsplätze nur in Aussicht gestellt. Letztlich hängt es davon ab, ob die Firma genügend Spediteure findet, die bereit sind in dem Netz von Palletways mitzuarbeiten. Spediteure müssen genau rechnen, ob sich die Abgaben für Palletways für sie rechnen.
Rechnet sich die Ansiedlung für die Stadt Homberg?
Wo werden die Gewerbesteuern abgerechnet? In der Zentrale in Ratingen oder an dem Umschlagplatz in Homberg?
Zeitplan mit Widersprüchen
"Die aus dem britischen Lichfield stammende Stückgut-Spedition Palletways errichtet ab Mai auf rund 7.000 Quadratmetern der Industriebrache ihre neue deutsche Verteilzentrale für Express-Stückgut (wir berichteten in unseren online-Ausgaben)." HA-online 25.3.2011 An anderer Stelle im Beitrag im Homberger Anzeiger heißt es, man werde in den nächsten vier Wochen Mitarbeiter suchen. Einige müssen noch auf speziellen Staplern geschult werden.
Es scheint, dass bei der geplanten Niederlassung mit dem Zeitplan und der Pressekonferenz auf die Kommunalwahl Rücksicht genommen wurde, damit noch eine Erfolgsmeldung in der Presse lanciert werden kann.
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siehe auch: Statt Deutschlandzentrale, Billigjobs
Wer gedacht hat die 
FDP-Stadtrat organisiert als Vorsitzender des SEniorenbeirats Einkaufsfahrt bei Adler in Haibach.


Auch hinter Sachpolitik stehen Interessen, sie tarnen sich nur. Ein Beispiel aus Dickershausen.