HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

2008 – 2021 Informationen zur Kommunalpolitik in der Kreisstadt Homberg (Efze) – ab 2021 HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

Ein teurer Spaß, ein überteuerter

 

Bürgermeister verteidigt teuern SpaßAnfang Februar verteidigte Bürgermeister Dr. Ritz den Verkauf des ehemaligen Landratsamtes für ein Euro, wie die HNA berichtete.
Für den Umbau und die Sanierung sollen nach Angaben der KBG 2,4 Mio. Euro investiert werden. Damit sich das für die KBG rechnet und sie Gewinn erzielt, müsse sie die Immobilie für einen Euro erwerben können, hatte der Geschäftsführer Imberger im Oktober 2014 im Ausschuss erklärt.

Schlagwort "öffentliches Interesse"
Es sei im öffentlichen Interesse, sagte der Bürgermeister und meint damit, dass die Büros zur Belebung der Innenstadt beitragen. Nach Angaben der HNA sollen 11 Mitarbeiter aus Fritzlar zukünftig nach Homberg pendeln.

"Die will ab Januar 2016 nach eigenen Angaben mit 36 Mitarbeitern in Homberg arbeiten. Das bedeutet, dass das elfköpfige Team aus Fritzlar nach Homberg wechselt.

Nach Homberg sollen sich logischerweise auch die "Kunden" der Arbeitsagentur von Fritzlar nach Homberg auf den Weg machen. Also mehr Verkehrsaufwand, mehr Kosten für die "Kunden", eben Service.

2,4 MioKein sensationelles Geschäft – ein Verlustgeschäft für die Stadt

"Man könne nicht so tun, als sei der Verkauf des alten Landratsamtes ein Geschäftsmodell. „Wir verdienen einen Euro“, sagte Ritz. Das sei rein rechnerisch kein sensationelles Geschäft für die Stadt, das sei klar. Im Mittelpunkt stehe aber das öffentliche Interesse. Und: natürlich sei das Haus nicht nur einen Euro wert. Doch habe das Gebäude auf dem Immobilienmarkt eben auch keinen hohen Wert. Es sei aber nicht so, dass man das Grundstück verschenke. „Das ist Quatsch“, sagte Ritz."

Ritz spricht von "keinen hohen Wert" auf dem Immobilienmarkt, ohne diese Behauptung zu belegen. Das Gebäude wurde nicht öffentlich zum Verkauf angeboten, so dass man hätte sehen können, wer sich dafür interessiert und zu welchem Preis. Jede Nutzung läge im öffentlichen Interesse, so wie auch die bisher darin wirkende Musikschule im öffentlichen Interesse lag.

Nachgerechnet: Investionskosten von 2,4 Mio. Euro?

1020nutzfläche1020 qm Bürofläche für 2,4 Mio. Euro

Das Alte Landratsamt hatte ca. 600 qm Bruttogeschossfläche, nach dem Umbau sollen es nach den Angaben auf dem Bauschild 1020 qm sein. Ein Zubau von 420 qm. Für diesen Flächengewinn werden 2,4 Mio. Euro investiert, 5714 Euro/ qm, der alle vergleichbaren Bürobaukosten weit übersteigt, sofern die Angaben stimmen. Ein teurer Spaß.

Es bleibt auch ein teurer Spaß, wenn man die gesamte Nutzfläche als kompletten Büroneubau rechnet. 2,4 Mio. Euro durch 1020 qm ergibt 2353 Euro/qm Baukosten.

Diese Zahl lässt sich prüfen, sie kann mit den Angaben aus den Baukostenindex verglichen werden. Für 2013 sind die Baukosten für Bruttogeschoßfläche so angegeben.

Baukostenindex BüroVergleichrechnung 1: Neubau
Ein Büro-Neubau im mittlereren Standard würde nach den aktuellen Zahlen 1.417.800 Euro kosten. Rund 1 Mio. preiswerter als der Umbau des ehemaligen Landratsamtes.

Vergleichsrechnung 2: Um- und Zubau

Im Kulturdenkmal ehemaliges Landratsamt wurde sehr viel historische Substanz herausgerissen, die neu gebaut werden muss. Nach diesem Abbruch bestand immer noch der "Rohbau", immerhin ein Wert. Wird dieser mit 20 Prozent der Kosten für die Bruttogeschossflächen angerechnet so ergibt sich folgende Rechnung:

Umbaukosten für den Gebäudebestand
600 qm mal 80 Prozent von 1390 Euro/qm = 667.200 Euro

plus Neubaukosten für 420 qm Aufstockung und Anbau
420 qm mal 1390 Euro/qm = 583.800 Euro

Zusammen ergibt das 1.251.000 Euro.
Das ist etwas mehr als die Hälfte von 2,4 Mio. Euro, die dort investiert werden sollen.

Würde noch ein Kaufpreis von 300.000 Euro von der KBG an die Stadt gezahlt werden, so würden sich Kosten von 1.551.000 Mio. Euro ergeben. Immer noch fast rund 850.000 Euro niedriger als die behaupteten 2,4 Mio. Euro Investition.

Ungereimtheiten oder wem nutzt es?
Die Angaben über die Investitionssumme können nicht stimmen. Schließlich wird hier kein Bank- oder Versicherungspalast mit goldenen Wasserhähnen gebaut, selbst wenn das so wäre und ein hoher Standard mit 2060 Euro/qm realisiert würde, käme man nur auf 2.101.200 Euro.

Entweder ist die Investitionsumme von 2,4 Mio. Euro übertrieben worden, dann bleibt die Frage warum, oder es verbirgt sich hinter allem ein anderes noch unbekanntes Geschäft, bei dem noch zu recherchieren ist, wem es nutzt. Mit der Zeit wird auch das zu ermitteln sein.

Kommen bereits Bedenken?
"Er gab zu bedenken, dass die KBG womöglich ihr Angebot nicht abgegeben hätte, wäre diese – vorwiegend in Onlineforen angefachte – Diskussion im Vorfeld geführt worden. „Und das könnte ich ihr nicht mal übel nehmen“, schloss Ritz."

Vielleicht hatte man gehofft, den Verkauf geräuschlos über die Bühne zu bringen. Die Diskussion scheint offensichtlich zu stören, so zu stören, dass man vielleicht sogar bereut.

Einfache Lösung – Gewinn für die Stadt
Ende Januar sei noch kein Kaufvertrag abgeschlossen gewesen, antwortete der Magistrat auf eine Anfrage. Der Vertrag sei in Vorbereitung, ob er jetzt, zwei Monate später unterzeichnet ist, ist unbekannt. Wenn nicht, hätte die Stadt die Möglichkeit, sich die Immobilie angemessen vergüten zu lassen und das Problem wäre gelöst. Homberg braucht das Geld und hat nichts zu verschenken.

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