Schadstoffe im Haus?
Das historische Fachwerkhaus Holzhäuser Straße 3 soll zu einem großen Teil abgerissen werden. Es seien im Haus Schadstoffe entdeckt worden: Quecksilber und Phenole. So heißt es in der Präsentation von Infra+net und Architekturbüro Hess.
Wie wurden die Schadstoffe gefunden?
Wenn ein altes Fieberthermometer mit Quecksilber oder eine ältere Energiesparlampe zerbricht, kann in jedem Privathaushalt Quecksilber frei gesetzt werden. Es gibt Anleitungen, wie man die kleinen Quecksilber-Kügelchen aufnehmen und entsorgen kann. Weil dass in jedem Haus passieren kann, wird niemand bei einem Hauskauf deswegen gezielte eine Untersuchung auf Quecksilber veranlassen. Warum und wie ist man angeblich in diesem Fall auf Quecksilber gestoßen?
Bis in die 70er Jahre praktizierte ein Zahnarzt in dem Haus Holzhäuser Straße 3. Zahnärzte benutzten Quecksilber für die Amalgamfüllungen der Zähne. Das sei unschädlich, verkündeten damals die Zahnärzte gegen aufkommende Kritik. Im Labor wird unter kontrollierten Bedingungen mit den Stoffen gearbeitet. Von dort ist keine außergewöhnliche Quecksilberbelastung zu erwarten. Es müssten sonst alle ehemaligen Zahnarztpraxen abgerissen werden.
Das Foto zeigt Bauschutt, der im Erdgeschoss vom Voreigentümer für den späteren Abtransport zwischen gelagert wurde. So wie es auf dem Foto sichtbar ist, könnte er auf jeder Bauschuttdeponie abgeliefert werden. Keine Bauschuttdeponie verlangt einen analytischen Nachweis von Schadstoffen, die vielleicht möglich sein könnten.
Die Verfasser und die Stadt haben bisher keinen Untersuchungsbelege von einem unabhängigen, öffentlich bestellten Sachverständigen vorgelegt.
Die Sachkunde des Gutachters müsste nachgewiesen werden:
Wo hat er welche Proben entnommen?
Welches Labor hat diese Proben mit welchem Ergebnis untersucht?
Wer hat die Ergebnisse hinsichtlich der Gefährdung bewertet?
Solange diese Details nicht nachprüfbar vorgelegt werden, kann von einer weiteren Inszenierung ausgegangen werden, die ein Ziel hat: Den Abbruch des historischen Fachwerkhauses.
Wie hoch ist die Schadstoffbelastung durch einen alten Brandschaden?
Die Verfasser behaupten, durch einen Brandschaden lägen Phenole vor. Sie erwecken den Eindruck, dass diese von der Art und der Konzentration so gefährlich sind, dass die belasteten Bauteile ausgebaut und in einer Untertagedeponie eingelagert werden müssten.
Zur Bekräftigung ihre Aussage sind Holzbohrkerne abgebildet. Es gibt keine Aussage, wo diese Bohrungen stattgefunden haben, und welche Schadstoff in welcher Konzentration festgestellt wurden.
Der Projektmanager brauchte nur die entsprechenden Unterlagen öffentlich machen, um die Glaubwürdigkeit der Aussagen herzustellen.
Skepsis gegenüber den Aussagen ist begründet. Erinnert sei an die Asbestdachsanierung der Hallen auf dem ehemaligen Kasernengelände. Dort lag der Fall umgekehrt, es wurde mit allen Mitteln versucht, eine Asbestbelastung zu leugnen. Sogar eindeutig falsche Gutachten wurden vorgelegt. Der Staatsanwalt fand daran nichts Schlimmes, sah es nur als schriftliche Lügen an. Lügen seien nicht strafbar, so seine Aussage.







