Sympathie, Politik und Recht
Was sind die Unterschiede zwischen diesen verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungen?
In dem Beitrag der Hessenschau vom 23. 12. 2010 kamen drei Passanten aus Homberg zu Wort. Sie wurden nach ihrer Meinung zu dem Verhalten des Bürgermeisters gefragt. Ihre Antworten geben Anlass, einiges klar zu stellen.
Sympathie
(Passantin) "Generell ihn jetzt als Bürgermeister zu verurteilen, dass er jetzt alles schlecht gemacht hat, das würde ich jetzt nicht unbedingt sagen. Also ich mag ihn menschlich eigentlich ganz gern."
Sympathie ist "die aus gefühlsmäßiger Übereinstimmung kommende Zuneigung" heißt es bei Wikipedia. Es geht um Mitgefühl und um Zuneigung. Wer als sympathisch und wer als unsympathisch erscheint, ist eine ganz individuelle Einstellung. Sie sagt nichts über die andern Qualitäten eines Menschens aus. Es gibt sympathische Ganoven und unsympathische aber aufrechte Menschen. Von der Symphatie kann man nicht auf korrektes oder kriminelles Verhalten schließen.
Politik
(Passant) "Das hat man schon anhand des letzten Verfahrens gesehen, dass er sich erst gewehrt hat und dann doch eingeknickt ist und ich denke, das zeigt, dass es bei dem zweiten genau so sein wird."
In der Politik geht es um die Gestaltung des Zusammenlebens zwischen Bürgern. In den meisten Fällen gibt es bei Entscheidungen Menschen, die etwas verlieren, und andere die etwas gewinnen.
Welche Alternativen sind vorhanden, wer wird dabei belastet, wer begünstigt?
Zunehmend wird von Politikern behauptet, es gäbe keine Alternative. Das ist grundsätzlich falsch. Es gibt mindestens die Alternative etwas zu tun oder zu lassen. Wer davon spricht, es gibt keine Alternativen, der hat sich schon entschieden und will andere täuschen.
In einer demokratischen Kultur wird über die Vor- und Nachteile gestritten. Das ist Teil einer entwickelten politischen Kultur, denn es geht dabei immer darum: Wer setzt seine Interessen durch und auf wessen Kosten. Optimal ist es, wenn ein Ausgleich gefunden werden kann. Schaden nimmt die Gesellschaft und das Zusammenleben, wenn auf Dauer einseitig begünstigt wird zu Lasten anderer.
Recht
(Verkäuferin) "Dass er nicht ganz unschuldig ist, glaube ich schon, also irgendetwas wird schon gelaufen sein, aber es wird einfach ein bisschen aufgepuscht, das muss ich auch dazu sagen."
Mit dem Recht werden die Grundlagen festgelegt, die das Zusammenleben und die Auseinandersetzung regeln. Es sind die grundlegenden Spielregeln der Gesellschaft. Wer sie nicht einhält, muss mit mit Strafe rechnen. Die Regelverletzungen festzustellen, die individuelle Schuld zu bestimmen und die Strafe festzulegen ist Sache der Justiz. Wer glaubt die gesellschaftlichen Regeln des Recht nicht einhalten zu müssen, stellt sich außerhalb des Rechts und ist eine Gefahr für eine demokratische Gesellschaft. Wer meint, er habe die Macht und das Recht sich ungestraft über die Spielregeln hinwegzusetzen zu können, ist nicht dafür geeignet, die rechtliche Ordnung zu sichern und aufrecht zu erhalten. Wer selbst kriminell handelt, hat die Legitimität verloren, andere wegen einer Ordnungswidrigkeit zur Rechenschaft zu ziehen.
Auch in den Leserbriefen in der HNA zu der bevorstehenden Anklage des Bürgermeisters geht einiges durcheinander. Vielleicht hilft dieser Beitrag etwa zu klären.
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