Luxusproblem Wohnmobilstellplatz
Foto: Wald und Feld oberhalb des Schwimmbades Erleborn soll zu einem Stellplatz für Wohnmobile werden, beschloss die Stadtverordneten-Mehrheit.
Die Stadtverordneten der hessischen Klimakommune Homberg haben beschlossen, auf diesem Feld und in dem Wald einen Wohnmobilstellplatz zu schaffen.
Nach dem Flächennutzungsplan ist die Fläche der landwirtschaftlichen Nutzung vorbehalten. Wieder soll Ackerland aufgegeben werden, wie bereits in Mardorf.
Abbildung: Auszug aus dem Flächennutzungsplan mit dem Sondergebiet Camping, in Kraft seit 2000.
Von diesem Plan soll eine kleine Minderheit von Bürger profitieren, die ihr Hobby pflegen und mit dem Wohnmobil durch die Lande ziehen. Sie haben dafür ausreichend Zeit und Geld. Häufig sind sie nicht mehr im Berufsleben eingespannt. Sie suchen sich die schönsten, die stillsten oder bequemsten Plätzen für ihre Nomaden-Wochen im Jahr. Auch Homberg will für diese Minderheit aktiv werden und ihnen zu einem besonders schönen Platz verhelfen.
Es ist nicht erklärbar, wie diese Entscheidung zusammenpasst mit dem Anspruch Klimakommune zu sein. Was hat das mit Cittaslow zu tun? Homberg wollte doch in dem Städteverband aufgenommen werden.
Andere Planungs- und Bauprojekte bleiben liegen. So hat der verstorbene Stadtverordnete Holger Jütte (FDP) einen sicheren Fußweg ins Gewerbgebiet West beantragt. Seit Jahren müssen dort Beschäftigte zu Fuß auf der unbeleuchteten Straße ohne Fußweg gehen. Auf der Straße verkehren vor allem auch nachts sehr viele Lkws. Das Projekt ist wieder zurück gestellt.
Was interessiert die aufziehende Klimakatastrophe, die Dürre des Sommers, die in den abgestorbenen Bäumen nicht mehr zu übersehen sind. Was interessiert, dass viele Menschen keine bezahlbare Wohnung finden, dass immer mehr im Niedriglohnsektor arbeiten, dass die Infrastruktur immer mehr verfällt? Sehen die Verantwortlichenauf ihren Fahrten an den Autobahnbrücken nicht die Schilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung wegen Bauschäden?
Die Wohnmobilisten sind überwiegend im gesetzten Alter. Wieviele Jahre werden sie noch unterwegs sein? Was wird dann mit den Plätzen? Erinnert sei an die Zeit, als Tennis zu einem Volkssport zu werden schien. In der Zeit von Steffi Graf und Boris Becker wurden überall Tennisplätze gebaut. In Wernswig ist noch so ein Platz zu finden. Junge Bäumchen haben sich mitlerweile auf dem ungenutzten Platz angesiedelt.
Folgen für das Klima
Homberg lässt sich eine Klimamanagerin finanzieren, die das dünne Klimaschutzprogramm des Landes umsetzen soll, ein Programm, das nichts vom Schutz des Bodens als Kohlensstoffsenke zu wissen scheint. Eine Steckdose am Marktplatz, schön dekoriert als Zeichen für Klimaschutz reicht, auch wenn man dort den Fahrradakku nur laden kann, wenn man sein eigen Ladegerät mit sich führt.
Seit 20 Jahren Baurecht für einen Campingplatz ungenutzt

Abbildungen:
Links: Bebauungsplan für ein Sondergebiet Camping.
Rechts: Aktueller Bericht über die Aufstellung eines Sondergebietes Camping.
Vor 20 Jahren hat Homberg die Möglichkeit geschaffen, einen Campingplatz am Schwimmbad im Erleborn einzurichten. Bisher hat keiner die Initiative ergriffen, einen solchen Betrieb aufzunehmen. Auf diesem Platz könnten auch Wohnmobile stehen. Wollen die Wohnmobilisten einen eigenen Platz? Bezahlen soll das die Stadt.
Fragen nach der technischen Ausstattung des Platzes, nach dem Betreiber, nach der Wirtschaftlichkeit sind nur lästige Fragen.
"Ich will das haben.", quengeln kleine Kinder vor der Kasse, sie fragen auch nicht nach den Kosten.


