Engelapotheke: Fixe Idee statt solider Planung
Am Aschermittwoch ist alles vorbei, heißt es im Karnevalslied. Doch in Homberg geht es erst richtig los, wenn man die Informationen aus den Ausschüssen der letzten Tage ansieht.
Grundrisszeichnung: Wohnung in der Engelapotheke, aus Unterlagen zur Stadtverordnetenversammlung am 3.3.2017
Wenn die vier Etagen der Engelapotheke ausgebaut werden sollen, ist zum jetzigen Zeitpunkt mit 2,6 Mio. Euro Kosten zu rechnen. Dabei fehlen noch Positionen wie zum Beispiel für Außenanlagen. Pro Etage wären das 650.000 Euro. In zwei Etagen soll je eine Wohnung mit 170 qm Wohnfläche entstehen, der Quadratmeterpreis der Baukosten wäre dann 3.823 Euro. Zum Vergleich: Die durchschnittlichen Baukosten für Wohnungen liegen laut statistischem Bundesamt bei 1.600 Euro/qm. Die Wohnungen haben einen Luxuspreis. Eine kostendeckende Miete ist dafür in Homberg nicht zu erzielen.
Im Haupt- und Finanzausschuss sah das Bürgermeister Dr. Ritz auch so. Er rechnete mit einer jährlichen Mieteinnahme für eine Wohnung von 10.000 Euro bei einem Mietpreis von 800 Euro kalt. Für diesen Preis sah er auch in Homberg eine Chance, Mieter zu finden. Auf 20 Jahre hoch gerechnet wären Einnahmen von 200.000 Euro für die Stadt zu erzielen. Von den Baukosten von 650.000 Euro für eine Wohnung blieben nach 20 Jahren immer noch 400.000 Euro, die nicht durch Einnahmen gedeckt werden können.
Der Mietpreis von 4,07 Euro je Quadratmeter ist sicherlich ein sehr günstiger Preis. Der durchschnittliche Mietpreis in Kassel liegt bei 7,51 €/m². Im ländlichen Raum dürfte er niedriger liegen. siehe auch den ivd-Immobilienpreisspiegel Nordhessen
Statt eine kostendeckenden Miete zu erzielen, will die Stadt zwei Luxuswohnungen subventionieren
Im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss sollen zwei Homberger Vereine Ausstellungsräume erhalten. Je Verein eine Unterstützung von 650.000 Euro, denn es ist nicht davon auszugehen, dass die Vereine die Mietkosten tragen können. Zu den Mietkosten sind bei den Vereinen noch die laufenden Betriebskosten zuzurechnen, allein die Beheizung der 340 qm Ausstellungs- und Nebenräume ist zuzurechnen.
Die Vereine müssen auch Personal für die Öffnungszeiten vorhalten – nicht nur mal für 3 Stunden am Wochenende. Bei solchen Investitionen müsste eine durchgehende Öffnungszeit geboten werden. Bei der Altersstruktur der Vereinsmitglieder und angesichts des fehlenden Nachwuchses ist damit zu rechnen, dass in wenigen Jahren die Ausstellungen gar nicht mehr geöffnet werden können.
Ein weitere Rechnung muss aufgemacht werden: Wie viele Besucher glaubt man, in einer Woche gewinnen zu können? Eine Nachfrage beim Heimatmuseum könnte da sicherlich Zahlen liefern.
Kann sich die hochverschuldete Stadt leisten, als freiwillige Leistung – also keine Pflichtaufgabe – zwei Vereine in diesem Übermaß zu unterstützen?
Diese vorgestellten Nutzungen der Engelapotheke sind nicht tragfähig. Den Bürgern ist das nicht als sinnvoll zu vermitteln.
Die Diskussion über die Nutzung des Gebäudes muss erst einmal ergebnisoffen geführt werden.
Bis zu einem Konsens sind die Bauarbeiten auf die Gebäudesicherung zu begrenzen.




Foto: Narredeko in der Touristinformation



