HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

2008 – 2021 Informationen zur Kommunalpolitik in der Kreisstadt Homberg (Efze) – ab 2021 HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

Gehwege und Gardinen: Eine Antwort auf die Gesellschaftsproblem?

BildMit den Mitteln des Konjunktur-Programms sollten eigentlich Projekte finanziert werden, die einen Beitrag zur Lösung der sich auftürmenden Gesellschafts-Probleme bieten. Die da heißen:

   Energieabhängigkeit in vielen kommunalen Bereichen bei steigenden Energiepreisen.

   Die Klimaveränderungen und ihre noch lange nicht überschaubaren Folgen.

   Die soziale Spaltung der Gesellschaft, durch die eine wachsende Zahl von Menschen ausgegrenzt wird.

   Finanzkrise und ihre verstärkende Auswirkung auf die Notlage der Finanzen der Stadt.

Wenn man sich die Maßnahmen anschaut, die mit den Mitteln des Konjunkturprogramms in Homberg finanziert werden sollen, kann man sich nur wundern, wo das Geld hinfließen soll. Drei Beispiele:

Gardinen: 36.800 Euro

Neue Gardinen für 36.800 Euro, aber auch Tischdecken und Stühle für die 15 Dorfgemeinschaftshäuser.
All die Dinge mögen nicht mehr in dem neuesten Zustand sein, aber angesichts leerer Kassen und drängender Probleme ist diese Prioritätensetzung ein Armutszeugnis.

Gehweg notwendigGehweg: 50.000 Euro

Zu dem geplanten Gehweg in der Rudolf-Harbig-Straße:
" Ausbau eines Gehwegs auf einer Länge von 260 m.
" Errichtung von Straßenbeleuchtung.
" Standardbauweise mit bituminöser Deckschicht auf einer Frostschutzschicht.
" Geschätzte Baukosten: 50.000,00 €

Auch hier fehlt jegliches Abwägen von Prioritäten.

 

Neue Elektrogeräte für die Dorfgemeinschaftshäuser

In der Begründung heißt es:

"Die Gebäude sind in etwa in den Jahren von 1975 – 1988 gebaut und ausgestattet worden.
Größtenteils entspricht die Ausstattung der Häuser mit Herden, Kühlschränken und Heizungspumpen noch dem damaligen Stand der Technik.
Hieraus ist zu ersehen, dass gerade in diesen Bereichen ein total überhöhter Energieverbrauch gegenüber den heutigen Geräten festzustellen ist. Zudem sind die Geräte ebenfalls in einem mangelhaften Zustand.
Demzufolge sind die Bestuhlung und Ausstattungsgegenstände, wie Gardinen, Tischecken, Schränke usw. in einem stark verbrauchten Zustand und müssten dringend erneuert werden.
Die Kosten für ca. 30 Elektroherde mit Kochfeld, 30 Kühlschränken und ca. 40 Heizungspumpen inkl. Demontage, Entsorgung und Neumontage werden sich auf ca. 45.000,00 € belaufen."

Wenn man bedenkt, dass die FDP Homberg immer wieder einmal die Schließung von Dorfgemeinschaftshäusern ins Gespräch bringt, weil sie mehr kosten als einbringen, denn sie sind teilweise nur gering ausgelastet, dann müssten doch ganz andere Fragen gestellt werden.

Selbst wenn die alten Geräte eine geringere Energieeffizienz haben als neue, so muss doch die Gesamtbilanz betrachtet werden. Wie viele Stunden im Jahr ist ein Elektroherd in einem DGH in Betrieb? Wieviel kWh verbraucht er in dieser Zeit? Wie groß ist die Differenz zu einem modernen Herd? Wiegt die eingesparte Verbrauchsenergie die Energie und die Kosten eines neuen Herdes auf?
Eine solche Berechnung hätte doch wenigstens aufgestellt werden müssen, das ist das Mindeste einer wirtschaftlichen Haushaltsführung. Vermutlich hat man es unterlassen, weil das Ergebnis ernüchternd gewesen wäre. Eine Ausnahme besteht nur bei den Heizungspumpen, die auch laufen müssen, wenn das Haus nicht belegt ist.

Das Rechnungsprüfungsamt hat die Stadt aufgefordert strengste Ausgabendisziplin zu wahren. Diese Maßnahmen gehören gewiss nicht dazu.
Vielleicht wird man als Ausrede hören, es hätte alles sehr schnell gehen müssen, es wäre nicht genügend Zeit für gründlichere Überlegungen. Das wäre dann nur ein weiteres Armutszeugnis, das man nicht vorausschauende plant und vorab die Prioritäten bestimmt. In Fritzlar hat sich der CDU-Bürgermeister dazu so geäußert:

"Eine Kommune weiß was sie will und darf sich nicht an Förderprogrammen orientieren"

"Fördermittel stehen manchmal in keinem Verhältnis zu dem Aufwand, sie zu erlangen. Da ist man womöglich schneller, wenn man auf das eine oder andere Programm verzichtet. Und zur Zeit läuft vieles in die falsche Richtung. Normalerweise sollte eine Stadt Maßnahmen fest im Auge haben, die eine Stadtentwicklung in der Zukunft positiv beeinflussen und dann schauen, ob es Förderprogramme dafür gibt. Im Moment haben wir die umgekehrte Reihenfolge. Es werden Förderprogramme aufgelegt, bei denen meldet man sich an und schaut dann, welche Maßnahmen man machen kann, damit es die Fördermittel gibt. Das ist eine völlig falsche Entwicklung."

Man sieht , es geht auch anders, auch in der CDU gibt es helle Köpfe – in anderen Städten.

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6 Kommentare zu “Gehwege und Gardinen: Eine Antwort auf die Gesellschaftsproblem?”

  1. Externer Beobachter

    Achtung, aus Konjunkturprogramm- Mitteln werden nur Investitionen gefördert, die nicht zu den Erhaltungsmassnahmen zählen dürfen und besondere, aufgelistete Investitionen im Bereich Bildung, Sport etc.
    Bitte daher prüfen, ob sie in Übereinstimmung mit den Bundes- und Landesregelungen sind!!! Denn Tischdecken etc. scheinen mir bedenklich, energieeinsparnede Maßnahmen sind dagegen möglich.

  2. Barolle

    Aber, aber !
    Du wirst doch nicht etwa die Worte des GröBaZ anzweifeln.
    Per Proklamation wird da aus einer Tischdecke eine Investition.
    Nur Löcher stopfen ist eine Erhaltungsmassnahme.

    Da sollte man langsam beim Haushalt der Stadt mit Löcher stopfen anfangen.
    Wer weiß was da schon als Auflage seitens der kommunlaen Dienstaufsicht existiert und ähnlich wie die Anfrage der Fa. Belecher in einer Schublade schmort ?

  3. Crocc

    Ein Gehweg und Straßenbeleuchtung in der Rudolf-Harbig-Straße sind (momentan) absolut überflüssig!

    Es braucht aber unbedingt einen Gehweg vom Industriegebiet über die Ziegenhainer Str. in Richtung Innenstadt. Denn vor allem für dortige Beschäftigte ist der Arbeitsplatz nur unter enormer Gefahr fußläufig (und somit umweltschonend) zu erreichen.

    Wichtig wäre auch ein Gehweg-Lückenschluß in der Mühlhäuser Str. zwischen KSK-Dienstleistungszentrum und Einmündung Basthauptweg. Das ist auf unerklärliche Weise zum Hessentag total „verpennt“ worden.

  4. DMS

    zu 3.

    Beide Straßenverbindungen sind viel befahren, da leuchtet mir auch die Dringlichkeit ein. Gerade auch ins Industriegebiet wird mancher auch den Fußmarsch auf sich nehmen, weil gar nicht immer ein Auto zur Verfügung steht, sei es weil es nur ein Auto in der Familie gibt oder weil man bei dem Einkommen kein Auto finanzieren kann.

    Leider ist die Gesamtliste, aus der jetzt verschiedene Maßnahmen ausgewählt werden, schon vor längerer Zeit so eingereicht und genehmigt worden. Nach meinen Kenntnissen, dürfen nur Maßnahmen aus der genehmigten Liste realisiert werden. Mit den ersten fünf Maßnahmen (Kosten 763.000 Euro), die im August beschlossen worden sind, sei bereits die Hälfte der Mittel aufgebraucht.

    Sicherlich hätte man noch mehr notwendigere Projekte erkennen können, wenn die Bürger eingebunden worden wären, denn sie erkennen aus ihrem täglichen Erleben vie besser solche Situationen.

  5. Leser

    Herr Schnappauf, sie sind ein vernünftiger Mensch, doch ihre Haltung und Einstellung ist in der heutigen Kosumgesellschaft unmodern. Nur der Selbstbewusste gibt sich auch mit der Einfachheit zufrieden und gönnt sich Luxus wenn er sich diesen leisten kann.
    Diese Philosophie hat die Stadt Homberg mit BMW aufgegeben.

  6. ronneberg

    Die Dunkelleuchten der CDU sitzen in Homberg, magisch angezogen von deren Oberhaupt.

    Man sollte sich mal darüber Gedanken machen, ob es überhaupt sinnvoll ist, alle 15 Dorfgemeinschaftshäuser weiter zu betreiben. Viele werden gar nicht entsprechend ausgelastet und könnten problemlos geschlossen werden.

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