Schirnen: Erst kaufen, dann wieder verkaufen
300.000 Euro für Sanierung der beiden Schirnen für gastronomische Nutzung berechnete der Magistrat zur Stadtverordnetenversammlung am 8.9.2016.
Die Stadt hatte die Schirnen für 47.000 Euro gekauft. Wenn die Schirnen ohne Verlust verkauft werden sollen, muss der Käufer rund 350.000 Euro für 88 qm Nutzfläche aufwenden – rund 3.980 Euro je Quadratmeter nur für die Sanierung!
Zum Vergleich: Bei einem Einfamilienhaus rechnet man mit ungefähr 1.500 Euro je Quadratmeter Baukosten insgesamt. Bei den Schirnen ist das Gebäude bereits vorhanden.
Im September 2016 haben die Stadtverordneten den Magistrat auch verpflichtet, Einsparungsmöglichkeiten zu ermitteln. Bisher hat der Magistrat diese Aufgabe nicht erfüllt.
Der Wasserschaden nach der Kirchplatzsanierung 2007
Ein potentieller Käufer der Schirnen müsste den Wasserschaden auf eigene Kosten beheben, der sehr wahrscheinlich von den Architekten Christian Gerlach mit zu verantworten ist. Die Stadt hatte ein Beweissicherungsverfahren betrieben, dann das Verfahren aber abgebrochen.
Warum die Stadt nicht bemüht ist Schadenersatz zu erwirken, bleibt rätselhaft. Ein möglicher Grund könnte sein, dass Verantwortliche im Rathaus dabei ebenfalls verantwortlich mitgewirkt haben, die auf diese Weise gedeckt werden sollen. Immerhin hatte eine Fachfirma erkannt, dass die beauftragte Ausführungen zu Schäden führen würde und deshalb die Gewährleistung abgelehnt. Offensichtlich hat man sich über diese Warnung hinweg gesetzt und die Ausführung verlangt.
Auf eine Anfrage vom Februar 2016 antwortete der Magistrat sehr ausweichend und vermied es Namen zu nennen. siehe hier
Wirtschaftliche Betrachtung
Der Stadtverordnetenmehrheit hat in Kenntnis von 300.000 Euro Sanierungskosten für eine gastronomische Nutzung eine entsprechende Bauplanung bis zur Baugenehmigung durch den Architekten Christian Gerlach angenommen.
Auf Nachfrage bei der Betriebsberatung des Deutschen Hotel- und Gaststronomieverbandes (Dehoga) überschlägt man: 300.000 Euro Sanierungskosten macht rund 36.000 Euro Jahresmiete, also 3.000 Euro Miete je Monat. Dies soll mit 88 qm für Gast und Gastronomiebereich erwirtschaftet werden. Das ist sicherlich im Sternebereich möglich, mit Spitzengastronomie und der dazugehörigen, zahlungsfähigen Kundschaft. Bietet Homberg diese Voraussetzungen?
Auch Simone Bressan hat im Bauausschuss am 8.9.2016 darauf hingewiesen, dass die Kosten in der Gastronomie nicht zu erwirtschaften sind und das Vorhaben somit unrealisierbar ist.
Wider aller wirtschaftlichen Vernunft beschließt die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung so wie es der Magistrat vorschlägt und schreibt die "Sanierung mit der Zweckbindung gastronomischer Nutzung" vor, die ein Investor erbringen soll.
2014 beschlossen die Stadtverordneten die Schirnen müssen in städtischen Besitz. Drei Jahre später sollen sie wieder verkauft werden. Dieser Meinungs- und Politikumschwung wird an keiner Stelle begründet. Man macht einfach mal.
Dazu vertrat Dr. Ritz im März 2014 als Kandidat für die Bürgermeisterwahl noch folgende Meinung:
"Es gibt – ausweislich der Entscheidungsvorlage zur Stadtverordnetenversammlung – eine konkrete Planung für die Nutzung und auch ein konkretes Mietinteresse. Sofern für die notwendigen Renovierungs- bzw. Umbaukosten eine belastbare Kalkulation vorliegt, lassen sich die wirtschaftlichen Folgen einer Kaufentscheidung seriös bestimmen.
Unter der Voraussetzung, dass sich die der Stadt entstehenden Investitionskosten amortisieren (auch ein sehr langfristiger "return of invest", bspw. über 20-25 Jahre genügt) halte ich einen Ankauf tatsächlich für sinnvoll. Denn die Schirnen tragen den Kirchplatz und sind dadurch ein elementarer – wenn auch vielleicht unscheinbarer – Teil der Stadtsilhouette."
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siehe auch:Schirnen am Markt: Der Magistrat empfiehlt teure Sanierung







