HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

2008 – 2021 Informationen zur Kommunalpolitik in der Kreisstadt Homberg (Efze) – ab 2021 HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

Gras darf nicht mehr wachsen

Foto: Mühlhäuser Feld: Asphalt, Schotter und Wand.

Buch von Hermann Mattern, Gras darf nicht mehr wachsen, 1964
 

Vor 55 Jahren blickte Hermann Mattern auf den Verbrauch der Landschaft und schrieb das Buch "Gras darf nicht mehr wachsen". Mattern gilt als einer der bedeutendsten Landschaftsarchitekten. Zusammenfassend heißt es zu dem Buch:

"Höhere Profite wegen wird unsere Landschaft immer bedenkenloser ausgebeutet. Ihre Reserven jedoch sind nicht unerschöpflich. Die 12 Kapitel dieses Buches zeigen die ungeheuerlichen Konsequenzen des Verbrauchs von Boden, Wasser und Wald; sie wollen gleichzeitig alle Zusammenhänge aufdecken, die es zur Rettung der Landschaft zu erkennen gilt."

Das "Ungeheuerliche" ist seitdem immer weiter gewachsen, wie das Foto vom Neubaugebiet "Mühlhäuser Feld" zeigt. Selbst der letzte Grünstreifen zwischen Asphalt und Wand ist geschottert worden. Das geschieht in einer Zeit, in der sich die Kommunalpolitiker mit dem Schlagwort "Klimaschutz" zu schmücken suchen. Sie haben nichts verstanden. Klimaschutz fängt da an, wo Pflanzen CO2 aus der Luft in organische Masse einbinden können und Sauerstoff freisetzen. In Homberg wie fast überall wird das ignoriert. In Homberg wird selbst wertvolles Ackerland noch immer als Bauland ausgewiesen, um dem verdienten Parteifreund satte Gewinne zu verschaffen.

Das alles geschieht trotz des Erkenntnisgewinns über die Zusammenhänge und die Konsequenzen der letzten 55 Jahre, trotz der zunehmenden Ereignisse von Hitze, Dürre, Starkregen und Überflutungen, trotz der Warnungen von steigendem Meeresspiegel und trotz der weltweiten Fluchtbewegungen.

Das in einer Zeit, in der die junge Generation erkannt hat, dass ihr Leben auf den Spiel steht und nur eine radikale Wende das Schlimmste noch verhindern kann.

Das Schlimmste ist erreicht, wenn das Klima umkippt und im rasanten, nicht mehr aufzuhaltenden "Fortschritt" das gebundene CO2 aus dem Permafrostböden freigesetzt wird. Wenn gleichzeitig die Sauerstoffbildung immer weiter zurück geht, weil die Wälder und die Ackerböden vernichtet werden, aber auch weil bei steigender Temperatur das Plankton in den Ozeanen weniger Sauerstoff erzeugt.

Angesichts dieser sich abzeichnenden Katastrophe werden nicht einmal die einfachsten Maßnahmen von der Politik umgesetzt, wie zum Beispiel der Erhalt eines Grünstreifens im Mühlhäuser Feld.
Stattdessen wächst die Politik-Folklore der Klimaschutz-Schlagworte und Beschwichtigung an.

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