HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

2008 – 2021 Informationen zur Kommunalpolitik in der Kreisstadt Homberg (Efze) – ab 2021 HOMBERGER HINGUCKER MAGAZIN

Kein Ausländervertretung – „aus formalen Gründen“

 

  
Für die kommenden Wahlen hat in Homberg auch eine Liste einen Wahlvorschlag für den Ausländerbeirat eingereicht, so wie es ihnen gesagt wurde. Bei der Prüfung wurden dann aber beanstandet, dass etliche Unterlagen noch vorher von anderen Dienstellen hätten geprüft werden müssen. Der Wahlvorschlag wurde deshalb "aus formalen Gründen" abgelehnt. Jetzt ist gegen die Entscheidung Einspruch erhoben worden, der Wahlausschuss muss deshalb noch einmal zusammen kommen.

 

Um was geht es eigentlich?

In Homberg sind von 14.586 Einwohnern, 12.077 Deutsche und  2.509 Nichtdeutsche. Somit gibt es in Homberg 20 Prozent Nichtdeutsche. [Stand Sept. 2025
20 Prozent der Homberger haben ganz andere Probleme, als die anderen 80 Prozent. Probleme, die sich viele gar nicht vorstellen können. So ist mir ein Fall bekannt, bei dem die Probleme schon dadurch entstehen, dass die Person in ihrem Herkunftsland keine Chance hatte überhaupt Schreiben und Lesen zu lernen. Wie soll sie sich hier zurechtfinden? 

Nicht-deutsche Menschen haben sich für den Ausländerbeirat aufgestellt, um ehrenamtlich für die verschiedenen Probleme der nicht-deutschen Homberger aktiv zu werden. Sie erhalten jetzt von der Stadt das Zeichen: Das dürft ihr nicht. Als Ausländerbeirat wären sie öffentlich als Anlaufstelle sichtbar. Das soll nicht sein. Als selbst nicht-deutsch haben sie auch einen anderen Kontakt zu Menschen aus ihrer Community und können Dinge dadurch leichter und wirksamer regeln, als eine deutsche Amtsperson. Ein Ausländerbeirat wäre ein Gewinn für die Kommune und das Zusammenleben. Und das soll nicht sein?

Die Stadt hat selbst eine Intergrations-Kommission, doch an der Spitze steht mit dem Bürgermeister ein Vertreter der Bürokratie. Einer Bürokratie, mit der selbst viele Deutsche ihre Probleme haben. Wie viel mehr haben Menschen Probleme, die einen ganz andern Hintergrund haben. Sie hatten zum Teil vor der Bürokratie ihres Herkunftslandes Angst, das sie verfolgt hatte.

  
Ein Deutscher, der zu helfen versucht, kann sich viele Probleme gar nicht vorstellen, weil er damit niemals konfrontiert worden ist. Zu nicht-deutschen Mitgliedern eines Ausländerbeirats besteht mehr Vertrauen, verstanden zu werden, denn sie haben viele ähnliche Probleme gehabt. Sie können aus der Sicht der Betroffenen reagieren. Wenn mit jemandem in der eigenen Muttersprache Kontakt aufgenommen werden kann, entsteht ein anderes Vertrauensverhältnis. 

Da sollen Menschen zurückgewiesen werden, die sich für die Gemeinschaft engagieren, die Brücken bauen wollen. Brücken, die gebraucht werden. Es geht nicht nur um Integration im Sinne der Anpassung an die deutschen Normen. Lebenserfahrungen und kulturelle Werte aus anderen Kulturen können auch für die Deutschen eine Bereicherung sein. Integration ist nicht nur Anpassung, es sollte Austausch sein und ein Aufeinander zugehen. Was können Deutsche eventuell auch lernen?

  
Engagement nutzen

Politiker rufen dazu auf sich zu engagieren, sich für die Gemeinschaft einzusetzen und hier erleben Menschen, dass sie zurückgewiesen werden. Sie können ja in ein paar Jahren noch einmal antreten. Kann sich Homberg eine solche Haltung leisten?

Wie hat Homberg in der Vergangenheit die Voraussetzungen von Wahlbewerbern geprüft? Sie ist damit sehr lässig umgegangen. Zur letzten Wahl hat sie einen Wahlbewerber zugelassen, der später wegen Wahlfälschung sein Mandat niederlegen musste und noch eine Geldauflage in Höhe von 5.000 Euro zu zahlen hatte. Der Wahlleiter hätte das vermeiden können, wenn er die Wahlvoraussetzungen wirklich geprüft hätte. Da ging es um ein Mandat, bei dem über Millionenbeträge entschieden wurde.

  
Ermöglichen und nicht verhindern

Es steht der Stadt doch frei eine Form zu finden, die muss ja nicht Ausländerbeirat heißen, für die die Hessische Gemeindeordnung (HGO) Regeln aufgestellt hat. Warum kann man es nicht Ausländervertretung nennen und so eine städtische Zusammenarbeit selbst gestalten? Es gibt Wege, wenn man sie wirklich gehen will.

 


Kommentarfunktion ist deaktiviert

Druckansicht Druckansicht

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt MediendesignBeiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA. Impressum Impressum