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Städtisches Bänke-Sammelsurium – nicht mal seniorengerecht

Fotos: oben: Bänke in der Ziegenhainer Straße im Bereich der THS,
unten Bänke rund um den Marktplatz

 

Gastbeitrag Dr. Klaus Lambrecht

 

Denn Sie wissen nicht, was sie tun.

 

Das ist aus stadtplanerischer, wirtschaftlicher und gestalterischer Sicht ein absolutes Unding und ein Paradebeispiel für handwerkliche Fehler in der Stadtentwicklung.
Ein solches „Stil-Sammelsurium“ – oft auch als gestalterischer Wildwuchs bezeichnet – bringt erhebliche Nachteile mit sich.

Hier sind die Hauptgründe, warum ein ständiger Wechsel von Stil und Herstellern bei der Stadtmöblierung wie Lampen, Bänke, Pflaster fachlich massiv kritisiert werden muss:

1. Wirtschaftlicher Unsinn (Die Folgekosten-Falle)

Wenn eine Stadt bei jedem Projekt andere Bänke oder Lampen einkauft, wie jetzt am Schlossberg und alten Friedhof, schafft sie sich ein logistisches und finanzielles Dauerdreieck des Grauens für den Bauhof: 

Keine Vorratshaltung: Der Bauhof kann keine Standard-Ersatzteile (wie bestimmte Holzlatten, Schrauben oder Metallstreben) auf Lager legen. Keine teuren Einzelbestellungen: Geht eine Bank oder Lampe kaputt oder wird Opfer von Vandalismus, müssen Ersatzteile teuer beim jeweiligen Hersteller nachbestellt werden – falls es diesen nach ein paar Jahren überhaupt noch gibt.
Komplizierte Pflege: Unterschiedliche Materialien (verschiedene Holzarten, Pulverbeschichtungen oder Metalle) erfordern unterschiedliche Pflege- und Reinigungszyklen. Das bindet unnötig Personal und treibt die laufenden Unterhaltungskosten in die Höhe.

 

2. Verlust der visuellen Identität

Stadtmöblierung ist maßgeblich für die Atmosphäre und den Charakter einer Stadt verantwortlich.

Einheit schafft Identität: Ein durchgängiges Gestaltungs- und Farbkonzept (z. B. ein einheitlicher Anthrazit-Ton oder historisierende Formen in der Altstadt) verbindet verschiedene Plätze und Straßenzüge visuell miteinander. Es signalisiert: Hier ist man in einem weiß man was man will. Das Ganze hat Stil und strahlt damit auch Ruhe aus.

Das Katalog-Sammelsurium: Wenn an der einen Ecke eine hypermoderne Beton-Stahl-Bank steht, dreißig Meter weiter ein verschnörkelter Guss-Sessel und am nächsten Platz eine klobige Holzbank ohne Rückenlehne, wirkt der öffentliche Raum unruhig, zusammengewürfelt und ungepflegt. In der Ziegenhainer Str. stehen z.B. vier verschieden Bankformen vor der THS. Es entsteht der Eindruck, als hätte man einfach das genommen, was gerade irgendwo im Sonderangebot war oder was einem einzelnen Planer in diesem Moment gefiel. 
 

 3. Mangelnde Barrierefreiheit und Nutzungs-Sicherheit

Einheitlichkeit bei der Stadtmöblierung hat auch eine soziale Komponente. Ältere Menschen oder Menschen mit Seh- und Gehbehinderungen stellen sich auf bestimmte Möbel ein. Wenn Bänke stets die gleiche Sitzhöhe, Neigung und vor allem standardisierte Armlehnen (als Aufstehhilfe) haben, das gibt Sicherheit im öffentlichen Raum. Ein ständiger Wechsel der Modelle erschwert diese Orientierung. Aus den tiefen Bänken an dem Brunnen von Brüderchen und Schwesterchen kommen ältere Personen kaum ohne Hilfe hoch. Die Cortenstahl-Behälter heizen sich bei Sonnenbestrahlung auf bis zu 60 Grad C. auf, die Pflanzenwurzeln leiden. Der Marktplatz ist das reinste Sammelsurium von Stadtmöblierung. Cittaslow sieht sicher anders aus.

Wie es richtig gemacht wird: Das Stadtmöblierungskonzept: Professionell agierende Städte wie Fritzlar z. B. erarbeiteten bereits in den achtziger Jahren ein sogenanntes Stadtmöblierungskonzept (oft Teil eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts, ISEK). Darin wird genau festgelegt: Modellfamilien: Es werden maximal zwei bis drei feste Design-Linien definiert (z. B. eine historische Linie für die Altstadtkerne und eine moderne für Neuentwicklungen oder Parks).  
Standard-Hersteller: Es werden Rahmenverträge mit Herstellern geschlossen, die eine Nachliefergarantie von 10 oder 20 Jahren bieten.

Zusammenfassung: Wer bei jeder Maßnahme das Design und den Hersteller wechselt, handelt weder nachhaltig noch wirtschaftlich transparent. Es ist meist ein Zeichen von mangelnder Koordination zwischen Bauamt, Stadtplanung und Bauhof – und die Zeche für die teure Instandhaltung zahlen am Ende wir die Steuerzahler.

 

Fotos: Bänke im Grünbereich

 

Ergänzung

Seniorengerechte Bänke zeichnen sich dadurch aus, dass Sie seitliche Armlehnen haben, zum Abstützen beim Aufstehen.

siehe zum Beispiel: https://www.resorti.de/parkbaenke/seniorenbaenke/ [1]